Kurz gesagt
Wenn eine Website Besucher hat, aber keine Anfragen bringt, liegt es meist an einer von drei Stellen: Die Anfragen kommen sehr wohl, werden aber nirgends gezählt. Oder es kommen die falschen Besucher. Oder die Seite macht es den richtigen zu schwer, sich zu melden. Die erste Möglichkeit wird am häufigsten übersehen, deshalb prüfst du sie zuerst.
Den Satz höre ich in Erstgesprächen öfter: „Die Statistik zeigt jeden Monat ein paar hundert Besucher, aber das Telefon klingelt nicht öfter als vorher.“ Gleich danach kommt meistens: „SEO bringt bei uns wohl nichts.“
Manchmal stimmt das sogar. Häufiger liegt das Problem hinter dem Klick. Die Besucher sind da, finden aber nicht, was sie brauchen, um anzurufen. Oder sie rufen an, und niemand bringt das mit der Website in Verbindung. Wenn deine Seite gar keine Besucher hat, ist das ein anderes Thema. Dazu habe ich den Artikel Warum rankt meine Website nicht bei Google? geschrieben.
Ich gehe die Punkte in der Reihenfolge durch, in der ich sie selbst prüfe. Für die ersten beiden brauchst du nur die Google Search Console und, falls vorhanden, dein Analyse-Tool.
- Werden Anfragen überhaupt gezählt?Anrufe vom Handy tauchen in keiner Statistik auf.
- Sind es die richtigen Besucher?Leser eines Ratgebers sind keine Auftraggeber.
- Wo landen die Besucher?Oft auf einer Seite ohne nächsten Schritt.
- Versteht man auf dem Handy sofort, was du machst?Der erste Bildschirm entscheidet.
- Gibt es Gründe, dir zu vertrauen?Echte Fotos schlagen jeden Werbespruch.
- Wie viel Aufwand ist die Kontaktaufnahme?Jedes Pflichtfeld kostet Anfragen.
Kommen wirklich keine Anfragen, oder werden sie nur nicht gezählt?
Viele Anfragen erscheinen in keiner Statistik: Anrufe vom Handy, WhatsApp-Nachrichten, Mails an die Adresse aus dem Impressum. Bevor du an der Seite etwas änderst, kläre, wie Kunden dich tatsächlich erreichen.
Wer auf dem Handy auf deine Telefonnummer tippt, ruft an. In Google Analytics steht davon nichts, solange niemand diesen Klick als Ereignis eingerichtet hat. Dazu kommt der Cookie-Banner. Wer dort ablehnt, wird von vielen Analyse-Tools gar nicht erfasst. Deine Zahlen zeigen also nur einen Ausschnitt.
Der einfachste Test ist altmodisch: Frag jeden neuen Kunden, wie er auf dich gekommen ist, und schreib es auf. Nach zwei, drei Monaten weißt du mehr als aus jedem Dashboard.
Und schick dir selbst eine Anfrage über dein Kontaktformular. Kommt sie an? Landet sie im Spam? Ein Formular, das nichts verschickt, fällt lange niemandem auf. Es beschwert sich ja keiner.
Sind es überhaupt die richtigen Besucher?
Schau in der Search Console, über welche Suchanfragen die Leute kommen. Wer „was kostet ein neues Dach“ sucht, will sich informieren. Wer „Dachdecker Herten“ sucht, will jemanden, der vorbeikommt.
Ratgeberartikel bringen oft die meisten Besucher, aber selten Aufträge. Die Leser wollen etwas wissen und nicht sofort jemanden beauftragen. Das ist in Ordnung, solange du nicht erwartest, dass aus diesen Klicks Anrufe werden.
Prüf außerdem, woher die Besucher kommen. In der Search Console gibt es dafür einen Bericht nach Ländern. In meinem eigenen Konto tauchen Klicks aus Indien und Pakistan auf. Für eine Agentur in Herten sind das keine Interessenten. Wenn ein Handwerker in Marl seine Besucherzahlen bewertet, zählen im Grunde nur die Leute aus seinem Einzugsgebiet.
Manchmal sind es auch gar keine Menschen. Bots und Crawler blähen Besucherzahlen auf, vor allem bei Statistik-Tools ohne Filter.
Landen die Besucher auf einer Seite, auf der man anfragen kann?
Jede Seite, die Besucher bekommt, braucht einen naheliegenden nächsten Schritt. Ein Ratgeberartikel ohne Verweis auf deine Leistung ist eine Sackgasse.
Schau in deinem Analyse-Tool nach den Einstiegsseiten, also den Seiten, auf denen Besucher zuerst landen. Oft sind das nicht deine Leistungsseiten, sondern ein einzelner Blogartikel, der zufällig gut rankt.
Daraus lässt sich etwas machen. Wer liest, woran man feuchte Kellerwände erkennt, hat vielleicht gerade feuchte Kellerwände. Ein Absatz am Ende reicht oft schon: „Wenn du das bei dir siehst, schaue ich mir das vor Ort an“, dazu ein Link auf die passende Leistungsseite und die Telefonnummer. Ein allgemeines „Kontaktieren Sie uns“ unter jedem Artikel ist dagegen zu beliebig, um jemanden zum Anrufen zu bringen.
Versteht man auf dem Handy sofort, was du machst und wo?
Wer über Google kommt, entscheidet in wenigen Sekunden, ob er bleibt. Auf dem ersten Handybildschirm sollte ohne Scrollen klar sein, was du anbietest, in welcher Gegend und wie man dich erreicht.
Öffne deine Seite auf dem eigenen Handy und schau nur auf den ersten Bildschirm. Steht da „Herzlich willkommen auf unserer Homepage“ über einem großen Stimmungsbild? Dann muss der Besucher erst suchen, was du eigentlich machst. Viele machen sich diese Mühe nicht.
Besser ist eine Überschrift, die Leistung und Ort nennt, etwa „Badsanierung in Recklinghausen und Umgebung“, und darunter eine Telefonnummer, auf die man direkt tippen kann. Auf dem Handy ist ein Anruf für viele Kunden einfacher als ein Formular.
Teste dabei auch die Ladezeit im Mobilfunknetz und nicht nur im Büro-WLAN. Wenn die Seite unterwegs fünf Sekunden lang weiß bleibt, ist der Besucher weg, bevor er deine Nummer sieht.
Gibt es auf der Seite Gründe, dir zu vertrauen?
Bevor jemand anfragt, will er sicher sein, dass hinter der Seite ein echter Betrieb steht. Echte Fotos, echte Namen und echte Bewertungen helfen dabei mehr als jeder Werbespruch.
Stockfotos von lächelnden Handwerkern in blitzsauberen Overalls erkennt jeder. Ein etwas unscharfes Foto von deinem Team auf einer Baustelle in Dorsten wirkt glaubwürdiger. Das gilt genauso für Projektbilder, für dein Gesicht auf der Über-uns-Seite und für Bewertungen, die direkt von Google eingebunden sind statt abgetippt. Wie du an mehr Bewertungen kommst, steht in meinem Artikel zum Google-Maps-Ranking.
Ein Punkt, um den viele Betriebe einen Bogen machen: Preise. Du musst keine Festpreise nennen. Ein grober Rahmen wie „eine Badsanierung liegt bei uns meist zwischen X und Y Euro, je nach Größe und Ausstattung“ filtert Anfragen heraus, die sowieso nicht passen würden. Für alle anderen sinkt die Hemmschwelle. Ich mache das auf meiner eigenen Seite mit den Paketpreisen genauso.
Schau auch aufs Kleingedruckte: ein Impressum mit echter Adresse, eine Telefonnummer, die tatsächlich jemand abnimmt, ein Datenschutzhinweis am Formular. Fehlt so etwas, springen vorsichtige Kunden ab, ohne dass du es merkst.
Wie viel Aufwand ist die Kontaktaufnahme?
Jedes zusätzliche Pflichtfeld im Formular ist ein Grund mehr, es nicht abzuschicken. Für die erste Anfrage reichen Name, ein Kontaktweg und eine kurze Nachricht.
Manche Kontaktformulare verlangen Anrede, Firmenname, Postleitzahl, Faxnummer und den gewünschten Rückrufzeitraum, alles als Pflichtfeld. Das sind Fragen fürs erste Gespräch und nicht fürs Formular.
Biete mehrere Wege an, weil Kunden verschieden sind. Wer es eilig hat, ruft an. Wer tagsüber auf der Arbeit nicht telefonieren kann, schreibt lieber per WhatsApp oder Mail. Und schreib dazu, was nach der Anfrage passiert, zum Beispiel: „Ich melde mich werktags meist innerhalb eines Tages.“ Das nimmt die Sorge, dass die Nachricht im Nichts verschwindet.
Was ändert sich durch ChatGPT und KI-Suchen?
Wer über ChatGPT, Perplexity oder die KI-Übersichten von Google auf deine Seite kommt, hat oft schon eine Antwort gelesen und ist in seiner Entscheidung weiter. Das kann bedeuten: weniger Besucher, aber mehr mit einem konkreten Anliegen.
Für diese Besucher zählen die Punkte oben umso mehr. Sie wollen auf deiner Seite bestätigt sehen, was die KI ihnen gesagt hat: dass du die Leistung anbietest, in ihrer Gegend arbeitest und erreichbar bist. Steht das klar auf der Seite, fällt die Entscheidung leicht. Wie du dafür sorgst, dass KI-Systeme dich überhaupt nennen, erkläre ich in der Anleitung zur GEO-Optimierung.
In Google Analytics siehst du übrigens, ob Besucher von chatgpt.com oder perplexity.ai kommen. Sie erscheinen dort als verweisende Websites.
Symptom, Ursache, erster Schritt: die Übersicht
| Was du beobachtest | Wahrscheinliche Ursache | Erster Check |
|---|---|---|
| Kunden sagen „Ich hab Sie gegoogelt“, die Statistik zeigt keine Anfragen | Anrufe und WhatsApp werden nicht gemessen | Klicks auf die Telefonnummer als Ereignis erfassen, Kunden fragen |
| Über das Formular kommt gar nichts mehr | Formular verschickt nichts oder Mails landen im Spam | Selbst eine Testanfrage schicken |
| Die meisten Besucher landen auf Blogartikeln | Informationssuche statt Auftragsabsicht | Einstiegsseiten prüfen, Artikel mit der Leistungsseite verknüpfen |
| Viele Besucher aus dem Ausland oder weit entfernten Städten | Falsche Zielgruppe oder Bots | Bericht nach Ländern und Städten ansehen |
| Besucher sind nach wenigen Sekunden wieder weg | Unklar, was du machst und wo | Ersten Handybildschirm und Ladezeit prüfen |
| Anfragen kommen, passen aber nicht | Kein Preisrahmen, kein Einzugsgebiet auf der Seite | Preisrahmen und Gebiet auf die Leistungsseite schreiben |
Häufige Fragen
Wie viele Anfragen sind bei meinen Besucherzahlen normal?
Eine feste Quote gibt es nicht. Sie hängt stark von deiner Branche, dem Preis deiner Leistung und der Herkunft der Besucher ab. Aussagekräftiger ist dein eigener Verlauf: Wenn die Besucher aus deinem Einzugsgebiet mehr werden, sollten mit etwas Verzögerung auch die Anfragen steigen. Passiert das nicht, lohnt sich der Blick auf die Seite.
Wie messe ich Anrufe, die über meine Website kommen?
In Google Analytics kannst du Klicks auf die Telefonnummer als Ereignis erfassen, zum Beispiel über den Google Tag Manager. Das zeigt, wer auf die Nummer getippt hat, aber nicht, ob ein Gespräch zustande kam. Genauer sind Call-Tracking-Dienste mit eigenen Rufnummern. Für kleine Betriebe reicht meist die Frage am Telefon: „Wie sind Sie auf uns gekommen?“
Brauche ich eine neue Website, wenn keine Anfragen kommen?
Meistens nicht. Eine klare Überschrift, eine Telefonnummer zum Antippen, echte Fotos und ein kürzeres Formular lassen sich in fast jedem System nachrüsten. Ein Neubau lohnt sich erst, wenn die Seite auf dem Handy grundsätzlich nicht funktioniert.
Sind Heatmaps sinnvoll, um das Problem zu finden?
Für einen ersten Eindruck ja. Kostenlose Tools wie Microsoft Clarity zeigen, wo Besucher klicken und wie weit sie scrollen. Dafür brauchst du eine Einwilligung im Cookie-Banner und einen Hinweis in der Datenschutzerklärung.
Bringt mehr Traffic automatisch mehr Anfragen?
Nein. Mehr Besucher aus der falschen Region oder mit reinem Informationsinteresse ändern an den Anfragen wenig. Hundert Besucher aus deinem Einzugsgebiet, die gezielt nach deiner Leistung gesucht haben, sind mehr wert als tausend Leser eines Ratgeberartikels.
Du willst wissen, wo deine Seite Anfragen verliert?
Im kostenlosen SEO- und GEO-Check schaue ich mir deine Website auf dem Handy an, prüfe, ob Anfragen überhaupt gemessen werden, und sage dir, welche der Ursachen oben bei dir zutrifft. Auch wenn die Antwort lautet, dass du es gut selbst ändern kannst.
Kostenlosen Website-Check anfragen
Schreibe einen Kommentar