Kurz gesagt
Ob eine SEO-Agentur gute Arbeit macht, können Sie auch ohne Fachwissen beurteilen. Es kommt auf drei Dinge an: Sie wissen jeden Monat, was konkret umgesetzt wurde. Die Berichte zeigen Anfragen oder Umsatz und nicht nur Rankings. Und alle Zugänge zu Ihren Daten gehören Ihnen. Fehlt eines davon über mehrere Monate, ist ein klärendes Gespräch fällig. Fehlen alle drei, lohnt sich ein Wechsel meist.
„Ehrlich gesagt können wir gar nicht beurteilen, ob unsere Agentur gute Arbeit macht.“ Diesen Satz höre ich in Erstgesprächen häufiger als jeden anderen. Das ist kein Vorwurf an die Unternehmen. SEO ist für Außenstehende schwer greifbar, die Ergebnisse kommen verzögert, und viele Berichte sind so aufgebaut, dass man sie eher abheftet als versteht.
Dieser Artikel hilft Ihnen, die Arbeit Ihrer jetzigen Agentur einzuordnen. Sie finden einen Selbsttest, typische Warnsignale, eine Checkliste für einen sauberen Wechsel und die Fragen, die Sie einer neuen Agentur stellen sollten. Ein Hinweis vorab, weil ich selbst Agenturinhaber bin: Nicht jede Unzufriedenheit ist ein Grund zu wechseln. Manchmal reicht ein offenes Gespräch.
Selbsttest: Arbeitet Ihre SEO-Agentur gut?
Beantworten Sie die folgenden Fragen mit Ja oder Nein. Seien Sie dabei ehrlich zu sich selbst, auch wenn Sie die Agentur persönlich mögen.
- Können Sie in zwei Sätzen sagen, was Ihre Agentur im letzten Monat konkret umgesetzt hat?
- Wurden zu Beginn schriftlich Ziele festgelegt, die mit Ihrem Geschäft zu tun haben, etwa Anfragen, Anrufe oder Umsatz?
- Zeigt der monatliche Bericht, wie sich diese Ziele entwickeln, und nicht nur Rankings und Sichtbarkeitsindex?
- Haben Sie selbst Inhaber- oder Administratorzugang zu Google Search Console, Google Analytics und Ihrem Google-Unternehmensprofil?
- Bekommen Sie auf Rückfragen innerhalb weniger Tage eine Antwort, die Sie verstehen?
- Erklärt die Agentur auch, was nicht funktioniert hat und warum?
- Wissen Sie, auf welche Suchbegriffe die Agentur hinarbeitet und warum gerade auf diese?
- Könnten Sie die Zusammenarbeit innerhalb von drei Monaten beenden, ohne Ihre Daten oder Inhalte zu verlieren?
Auswertung: Sieben oder acht Mal Ja ist ein gutes Zeichen, auch wenn die Rankings gerade stagnieren. Drei oder mehr Nein sind ein Grund für ein Gespräch. Bei Nein zu Frage 4 oder 8 sollten Sie unabhängig vom Rest handeln, denn dann hängen Ihre Daten an der Agentur.
Wie lange sollte man einer SEO-Agentur Zeit geben?
Rechnen Sie mit drei bis sechs Monaten, bis sich Rankings spürbar bewegen. Nach sechs Monaten sollte aber in der Search Console eine Entwicklung sichtbar sein, und die Agentur sollte erklären können, woran sie liegt oder warum sie fehlt.
SEO wirkt verzögert. Wer nach sechs Wochen kündigt, hat der Agentur kaum eine Chance gegeben. Gleichzeitig ist „SEO braucht eben Zeit“ keine Antwort, die man über ein Jahr hinweg akzeptieren muss.
Was nach sechs Monaten realistisch ist:
- Technische Fehler, die zu Beginn gefunden wurden, sind behoben.
- In der Google Search Console steigen die Impressionen, also wie oft Ihre Seiten in den Suchergebnissen erscheinen. Klicks folgen oft später.
- Neue oder überarbeitete Seiten sind indexiert und erscheinen für die Begriffe, auf die sie ausgerichtet sind.
- Bei lokalen Betrieben: Das Google-Unternehmensprofil wird häufiger angezeigt, und es kommen Anrufe oder Routenanfragen darüber.
Sehen Sie nach sechs Monaten in keinem dieser Punkte eine Veränderung und bekommen auf Nachfrage keine schlüssige Erklärung, ist ein Wechsel vertretbar. Wie Sie die Search Console dafür lesen, steht in meinem Artikel Warum rankt meine Website nicht bei Google?
Welche Warnsignale sprechen für einen Wechsel?
Manche Dinge sind ein echtes Risiko für Ihre Website, egal wie sympathisch die Agentur ist:
Was sollte ich tun, bevor ich kündige?
Suchen Sie ein Gespräch mit drei konkreten Fragen und prüfen Sie Ihren Vertrag. Oft klärt sich dabei mehr, als man erwartet. Und wenn nicht, haben Sie danach eine klare Grundlage für die Entscheidung.
Bitten Sie Ihre Agentur, Ihnen diese drei Fragen schriftlich zu beantworten:
- Was wurde in den letzten drei Monaten konkret umgesetzt, und welche Wirkung hatte es?
- Was ist der Plan für die nächsten drei Monate, und woran sehen wir, ob er funktioniert?
- Was hat bisher nicht funktioniert, und was ändern Sie deshalb?
Eine gute Agentur beantwortet das ohne Mühe. Wenn die Antworten ausweichend sind oder nur aus Fachbegriffen bestehen, haben Sie Ihre Antwort auch.
Prüfen Sie parallel den Vertrag: Kündigungsfrist, Mindestlaufzeit und wer die Rechte an den erstellten Texten und Bildern hat. Gerade der letzte Punkt wird oft übersehen. Regelt der Vertrag die Nutzungsrechte nicht eindeutig, sollten Sie das vor der Kündigung klären. Im Zweifel hilft ein kurzer Blick durch eine Anwältin oder einen Anwalt.
Checkliste: So wechseln Sie Ihre SEO-Agentur ohne Rankingverlust
Ein Agenturwechsel an sich schadet Ihren Rankings nicht. Schaden entsteht, wenn dabei Zugänge, Daten oder Weiterleitungen verloren gehen. Sichern Sie deshalb vor der Kündigung:
| Was | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|
| Google Search Console | Sie selbst als Inhaber der Property eintragen lassen, nicht nur als Nutzer. |
| Google Analytics | Administratorrechte für Ihr eigenes Google-Konto. |
| Google-Unternehmensprofil | Sie müssen Hauptinhaber sein. Hat die Agentur das Profil angelegt, lassen Sie sich die Hauptinhaberschaft übertragen. |
| Domain, Hosting, CMS | Zugangsdaten auf Ihren Namen. Die Domain sollte bei Ihnen registriert sein, nicht bei der Agentur. |
| Google Tag Manager | Administratorzugang, falls vorhanden. |
| Berichte und Analysen | Alle bisherigen Reports, Keyword-Listen und Audits exportieren. |
| Linkaufbau | Liste aller Links, die die Agentur aufgebaut oder gekauft hat. |
| Weiterleitungen | Bestehende Weiterleitungen dokumentieren und auf keinen Fall entfernen. |
Wichtig: Lassen Sie während des Wechsels keine URLs ändern und keine Seiten löschen. Wenn die neue Agentur Ihre Website umbauen will, sollte das erst passieren, wenn sie die bisherige Entwicklung verstanden hat.
Welche Fragen sollte ich einer neuen SEO-Agentur stellen?
Damit Sie beim nächsten Mal nicht in derselben Lage landen, hier die Fragen, die ich mir selbst als Kunde stellen würde, und woran Sie eine gute Antwort erkennen:
| Ihre Frage | Eine gute Antwort | Ein Warnsignal |
|---|---|---|
| Wer arbeitet konkret an meiner Website? | Name und Rolle der Person, die Sie auch erreichen können. | „Unser Team“, ohne dass Sie je jemanden kennenlernen. |
| Was passiert in den ersten drei Monaten? | Konkrete Schritte, angepasst an Ihre Website. | Ein Standardplan, der für jeden Kunden gleich klingt. |
| Woran messen wir den Erfolg? | Anfragen, Anrufe oder Umsatz, ergänzt um Rankings. | Nur Sichtbarkeitsindex und Rankings. |
| Wem gehören die Zugänge und Inhalte? | Ihnen, von Anfang an. | Ausweichende Antwort oder Hinweis auf „Agenturkonten“. |
| Wie bauen Sie Links auf? | Über Inhalte, Partner, Verbände oder Presse. | Feste Linkpakete pro Monat. |
| Was garantieren Sie? | Transparenz, Erreichbarkeit und eine ehrliche Einschätzung. | Rankings oder eine feste Anzahl an Anfragen. |
Weitere Kriterien für die Auswahl finden Sie im Artikel Wie finde ich eine gute SEO-Agentur? Wenn es Ihnen auch um Sichtbarkeit in ChatGPT und KI-Suchen geht: Was eine gute GEO-Agentur ausmacht.
Häufige Fragen zum Wechsel der SEO-Agentur
Verliere ich Rankings, wenn ich die SEO-Agentur wechsle?
Der Wechsel selbst kostet keine Rankings. Probleme entstehen, wenn dabei Weiterleitungen entfernt, URLs geändert oder Inhalte gelöscht werden. Sichern Sie vorher alle Zugänge und lassen Sie bestehende Seiten und Weiterleitungen unverändert, bis die neue Agentur die Website kennt.
Soll ich meine SEO-Agentur nach sechs Monaten ohne Ergebnisse wechseln?
Nach sechs Monaten sollten zumindest steigende Impressionen in der Search Console und behobene technische Fehler sichtbar sein. Fehlt beides und kann die Agentur nicht schlüssig erklären, warum, ist ein Wechsel vertretbar. Führen Sie vorher ein Gespräch und lassen Sie sich Umsetzung, Plan und bisherige Fehlschläge schriftlich erläutern.
Wie erkenne ich ohne SEO-Wissen, ob meine Agentur gut arbeitet?
Prüfen Sie drei Dinge: Wissen Sie, was jeden Monat umgesetzt wird? Zeigen die Berichte Anfragen oder Umsatz statt nur Rankings? Haben Sie selbst Inhaberzugang zu Search Console, Analytics und Google-Unternehmensprofil? Wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden, ist die Grundlage gut.
Gehören die Texte, die meine Agentur geschrieben hat, mir?
Das hängt vom Vertrag ab. Üblich ist, dass Sie die Nutzungsrechte an bezahlten Texten und Bildern erhalten, das sollte aber ausdrücklich geregelt sein. Prüfen Sie den Vertrag vor der Kündigung und lassen Sie sich die Rechte im Zweifel schriftlich bestätigen.
Was mache ich mit gekauften Links der alten Agentur?
Lassen Sie sich zuerst eine vollständige Liste geben. Ob Handlungsbedarf besteht, hängt davon ab, ob Google die Links bereits abwertet oder ob eine manuelle Maßnahme in der Search Console vorliegt. Laut Google brauchen die meisten Websites das Disavow-Tool nicht. Lassen Sie das vor einer Entscheidung von der neuen Agentur prüfen.
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Schicken Sie mir Ihre Website und, wenn Sie mögen, den letzten Bericht Ihrer Agentur. Ich sage Ihnen kostenlos und ehrlich, wie ich die Arbeit einschätze. Auch wenn das Ergebnis lautet: Bleiben Sie bei Ihrer Agentur.
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